Fußbodenheizung richtig einstellen: die Reihenfolge
Eine Fußbodenheizung hat drei Stellen, an denen sich etwas verstellen lässt. Wer sie in der falschen Reihenfolge dreht, sucht oft wochenlang. Die richtige Reihenfolge ist diese:
- Raumthermostat. Hier stellen Sie die gewünschte Raumtemperatur für jedes Zimmer ein. Das ist die einzige Einstellung, die Sie im Alltag brauchen.
- Heizkurve am Wärmeerzeuger. Sie legt fest, wie warm das Heizwasser bei welcher Außentemperatur ist. Werden alle Räume gleichmäßig zu warm oder zu kalt, liegt es hier.
- Durchflussmenge am Heizkreisverteiler. Sie verteilt das Wasser auf die einzelnen Heizkreise. Wird nur ein Zimmer nicht warm, liegt es meist hier.
- Prüfen und warten. Nach jeder Änderung mindestens einen Tag abwarten, bevor Sie die nächste Stellschraube anfassen.
Der häufigste Fehler ist, an allen drei Stellen gleichzeitig zu drehen. Dann weiß niemand mehr, welche Änderung was bewirkt hat. Wer die Fußbodenheizung richtig einstellen will, fängt deshalb immer beim Thermostat an und arbeitet sich nach hinten vor.
Welche Raumtemperatur für welches Zimmer?
Für die meisten Wohnräume liegt die optimale Raumtemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius. Im Schlafzimmer reichen 16 bis 18 Grad, im Bad dürfen es 23 bis 24 Grad sein, weil man dort ohne Kleidung steht. Diese Werte nennen Hersteller wie Buderus und Vaillant übereinstimmend als Richtwert.
| Zimmer | Richtwert |
|---|---|
| Wohnzimmer, Kinderzimmer | 20 bis 22 °C |
| Küche | 18 bis 20 °C |
| Schlafzimmer | 16 bis 18 °C |
| Bad | 23 bis 24 °C |
Wichtig ist, dass die gewünschte Temperatur nicht jeden Tag neu eingestellt wird. Eine Fußbodenheizung arbeitet am besten, wenn sie gleichmäßig durchläuft. Die optimale Einstellung ist deshalb eine, die Sie im Winter kaum noch anfassen. Ein Grad weniger senkt den Energieverbrauch spürbar, aber nur, wenn es dauerhaft kühler bleibt und nicht abends wieder hochgeheizt wird.
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Was bedeuten die Stufen am Thermostat?
Die Stufen 1 bis 5 oder 1 bis 6 sind keine Temperaturen, sondern Positionen auf einer Skala. Auf vielen Reglern entspricht die mittlere Stufe ungefähr 20 Grad, jede Stufe darüber oder darunter verschiebt die gewünschte Raumtemperatur um einige Grad. Die genaue Zuordnung steht in der Anleitung Ihres Thermostats.
Was viele nicht wissen: Das Raumthermostat regelt nicht, wie stark die Fußbodenheizung heizt. Es öffnet über einen Stellantrieb das Ventil des Heizkreises, bis die eingestellte Temperatur erreicht ist, und schließt es dann. Wer auf Stufe 5 dreht, damit es schneller warm wird, bekommt kein wärmeres Wasser in die Rohre. Die Heizung läuft nur länger, und am Ende ist es zu warm.
Ein Tipp für die Einstellung: Beginnen Sie überall auf der mittleren Stufe. Ist es nach einem Tag zu kühl, eine halbe Stufe höher. Erst wenn ein Zimmer auch auf der höchsten Stufe kalt bleibt, liegt das Problem nicht am Thermostat.
Warum die Fußbodenheizung Stunden braucht
Jede Fußbodenheizung ist träge. Unter dem Belag liegen mehrere Zentimeter Estrich, die erst warm werden müssen, bevor sie Wärme an den Raum abgeben. Nach einer Änderung am Thermostat dauert es rund drei Stunden, bis sich die Raumtemperatur spürbar ändert. Das Abkühlen geht etwas schneller.
Diese Trägheit ist kein Mangel, sondern der Grund für den Komfort. Der warme Estrich gibt gleichmäßig Strahlungswärme ab, die Wärmeverteilung ist ruhiger als bei einem Heizkörper, der kurz heiß wird und wieder abkühlt.
Nachts ausschalten oder absenken?
Ausschalten lohnt sich nicht. Der Estrich kühlt über Nacht ab, und am Morgen muss die Heizung ihn mit viel Energie wieder aufheizen. Bis der Boden warm ist, ist der Vormittag vorbei. Eine leichte Absenkung um ein bis zwei Grad, vor allem im Schlafzimmer, ist dagegen sinnvoll. Stellen Sie die Zeiten so ein, dass die Absenkung rechtzeitig vor dem Aufstehen endet.
Heizkurve und Vorlauftemperatur
Die Heizkurve sitzt nicht im Zimmer, sondern an der Regelung des Wärmeerzeugers, also am Kessel oder an der Wärmepumpe. Sie legt fest, welche Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur gefahren wird. Ist es draußen kalt, wird das Wasser wärmer. Ist es mild, reicht weniger.
Damit die Fußbodenheizung optimal arbeitet, liegt die Vorlauftemperatur meist zwischen 35 und 45 Grad Celsius, in gut gedämmten Häusern mit Wärmepumpe oft bei 28 bis 35 Grad. Die Heizkurve einer Fußbodenheizung ist deshalb deutlich flacher als bei einer Anlage mit Heizkörpern. Die Rücklauftemperatur liegt bei einer gut eingestellten Anlage einige Grad darunter. Diesen Abstand nennt man Spreizung, bei Fußbodenheizungen sind rund 5 bis 10 Grad üblich.
So stellen Sie die Heizkurve ein:
- Alle Räume zu kalt, auch bei mildem Wetter: Niveau der Heizkurve um ein bis zwei Grad anheben.
- Bei Frost zu kalt, bei mildem Wetter passend: Neigung leicht erhöhen.
- Alle Räume zu warm, die Thermostate schließen ständig: Heizkurve absenken. Das spart Kosten, weil der Wärmeerzeuger mit niedrigerer Temperatur arbeitet.
- Morgens kalt, abends zu warm: Nicht an der Kurve drehen, sondern die Zeiten der Absenkung prüfen.
Ändern Sie jeweils nur einen Wert und warten Sie mindestens einen Tag. Wer sich an der Regelung unsicher ist, überlässt die Einstellungen besser einem Fachmann. Falsche Einstellungen an der Kurve fallen oft erst nach Wochen auf, wenn die Abrechnung kommt. Bei einer Wärmepumpe entscheidet die Heizkurve stärker als alles andere über die Stromkosten. Wie Wärmepumpe und Heizflächen zusammenpassen, erklärt unser Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau.
Fußbodenheizung einstellen ohne Raumthermostat
In älteren Häusern gibt es Fußbodenheizungen ganz ohne Regler in den Zimmern. Dann lässt sich die Temperatur nur an zwei Stellen beeinflussen: über die Heizkurve und über die Ventile am Verteiler. Das funktioniert, solange alle Räume ungefähr gleich warm sein sollen. Wer im Schlafzimmer kühler schlafen will als im Wohnzimmer, drosselt dort den Durchfluss etwas. Feiner wird es nicht.
Die bessere Lösung ist meist, Raumthermostate nachzurüsten. Dann lässt sich auch diese Fußbodenheizung einstellen wie jede andere. Auf die Ventile am Verteiler kommen dafür Stellantriebe, die per Kabel oder Funk mit dem Regler im Zimmer verbunden sind. Die Kosten liegen bei einem Bruchteil dessen, was eine neue Heizung kostet, und die optimale Einstellung wird viel einfacher. Gerade in Räumen mit großen Fenstern nach Süden zahlt sich das aus: Scheint die Sonne herein, schließt das Ventil, statt den Raum weiter zu heizen. Das senkt den Energieverbrauch, und der Komfort bleibt.
In jedem Fall gilt: Die Vorlauftemperatur sollte so niedrig wie möglich sein. Je weniger warm das Wasser bei milder Außentemperatur ist, desto gleichmäßiger wird die Wärmeverteilung.
Durchflussmenge und hydraulischer Abgleich
Am Heizkreisverteiler, meist im Flur oder im Keller hinter einer Blechklappe, hat jeder Heizkreis ein kleines Schauglas. Dort lesen Sie die Durchflussmenge in Litern pro Minute ab. Über das Ventil darunter wird sie für jeden Kreis gedrosselt oder geöffnet.
Hier sollte niemand nach Gefühl drehen. Lange Heizkreise brauchen mehr Wasser als kurze, und wer einen Kreis aufdreht, nimmt den anderen etwas weg. Die richtigen Werte ergibt ein hydraulischer Abgleich, der aus Wärmebedarf und Rohrlänge jedes Kreises berechnet wird. Wie das abläuft und was er kostet, steht im Beitrag zum hydraulischen Abgleich der Fußbodenheizung.
Wenn ein Raum trotzdem kalt bleibt
Bleibt ein einzelnes Zimmer kalt, obwohl das Thermostat offen steht und die Heizkurve passt, liegt es meist an einem dieser Punkte:
- Luft im Heizkreis. Gluckernde Geräusche und ein Schauglas ohne Durchfluss sind typische Zeichen. Dann hilft es, die Fußbodenheizung zu entlüften.
- Stellantrieb klemmt. Der kleine Stellmotor auf dem Ventil öffnet nicht mehr. Fühlen Sie, ob das Rücklaufrohr des Kreises warm wird.
- Zu wenig Durchfluss. Der Kreis ist zu stark gedrosselt, ein hydraulischer Abgleich fehlt oder ist veraltet.
- Dicker Bodenbelag. Teppich oder schwimmendes Parkett auf Dämmunterlage bremsen die Wärme stark, mehr dazu im Beitrag zum Bodenbelag auf der Fußbodenheizung.
Und wenn im Altbau nur ein Teil des Hauses eine Fußbodenheizung hat und der Rest noch an Heizkörpern hängt, lohnt es sich zu prüfen, ob sich der Rest nachrüsten lässt. Beim nachträglichen Fräsen kommen die Rohre direkt in den vorhandenen Estrich. Ob Ihr Boden für eine gefräste Fußbodenheizung geeignet ist, zeigt die kostenlose Test-Bohrung.

Eric Wolfer
Heizungsbaumeister und Gründer der Wolfer Heizung und Sanitär GmbH, Ottweiler
Seit über 15 Jahren im Heizungsbau, seit einigen Jahren mit seinem Team auf das Nachrüsten von Fußbodenheizungen spezialisiert. Estrichstärke und Zustand prüft sein Team bei der Test-Bohrung persönlich vor Ort. Erst danach entsteht ein Angebot.





