Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau mit den alten Heizkörpern?
In vielen Fällen ja. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern wie heiß das Heizungswasser an den kältesten Tagen sein muss, damit alle Räume warm werden. Reichen dafür 55 Grad oder weniger, arbeitet eine Wärmepumpe mit den vorhandenen Heizkörpern wirtschaftlich. Braucht das Haus 65 oder 70 Grad, wird es teuer.
In Foren lesen Sie oft das Gegenteil: „Ihr müsst zwingend eine Fußbodenheizung haben.“ Das stimmt so nicht. Richtig ist aber, dass die Wärmepumpe mit jeder großen Heizfläche weniger Strom braucht. Die Frage ist also weniger, ob es geht, sondern was es Sie im Betrieb kostet.
Warum die Vorlauftemperatur über die Stromkosten entscheidet
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Außenluft und hebt sie auf die Temperatur, die Ihr Heizsystem braucht. Je größer dieser Sprung, desto mehr Strom kostet er. Die Hersteller rechnen mit grob 2 bis 2,5 Prozent mehr Verbrauch pro Grad Vorlauftemperatur.
Ausgedrückt wird das in der Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom werden. Im Forum berichtet ein Eigentümer aus einem Haus von 1961 mit Niedertemperatur-Heizkörpern von einer JAZ um 3,4. Mit einer Fußbodenheizung und 35 Grad sind Werte über 4 erreichbar. Bei einem Wärmebedarf von 20.000 kWh im Jahr sind das rund 900 kWh Strom Unterschied, Jahr für Jahr.
Heizkörper geben ihre Wärme über eine kleine Fläche ab und brauchen deshalb heißes Wasser. Eine Fußbodenheizung nutzt den ganzen Boden als Heizfläche und kommt mit 30 bis 40 Grad aus. Genau das ist die Temperatur, bei der eine Wärmepumpe am sparsamsten läuft.
So testen Sie Ihre Heizkörper schon diesen Winter
Sie können selbst herausfinden, ob Ihre Heizkörper reichen, und zwar mit der Heizung, die Sie heute haben. Stellen Sie an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur Ihres Gas- oder Ölkessels auf 55 Grad. Öffnen Sie alle Thermostatventile ganz und warten Sie ein bis zwei Tage.
- Werden alle Räume warm, sind Ihre Heizkörper für eine Wärmepumpe groß genug.
- Bleiben einzelne Räume kühl, notieren Sie welche. Meist sind es Ecken mit zwei Außenwänden, das Bad oder Räume über einer kalten Garage.
- Wird es im ganzen Haus nicht warm, braucht Ihr Haus mehr Heizfläche oder weniger Wärmeverlust.
Probieren Sie danach 50 und 45 Grad. Jedes Grad weniger, das Ihr Haus verträgt, spart später Strom. Dieser Test ersetzt keine Heizlastberechnung, aber er zeigt Ihnen und Ihrem Heizungsbauer, wo das Haus steht.
Was tun, wenn die Heizkörper zu klein sind?
Für die kühlen Räume gibt es mehrere Lösungen, die sich auch kombinieren lassen:
- Größere Heizkörper. Ein dreilagiger Plattenheizkörper (Typ 33) gibt bei gleicher Breite deutlich mehr Wärme ab als ein einlagiger. Oft genügt der Tausch in den zwei oder drei schwächsten Räumen.
- Niedertemperatur-Heizkörper mit Gebläse. Kleine Lüfter im Heizkörper erhöhen die Leistung bei niedriger Vorlauftemperatur. Sie brauchen einen Stromanschluss und sind leise hörbar.
- Dämmung an der schwächsten Stelle. Neue Fenster, eine gedämmte oberste Geschossdecke oder Kellerdecke senken den Wärmebedarf und damit die nötige Temperatur.
- Fußbodenheizung. Sie vergrößert die Heizfläche am stärksten und bringt die Vorlauftemperatur auf das Niveau eines Neubaus.
- Hochtemperatur-Wärmepumpe. Sie schafft auch 70 Grad und mehr, braucht dafür aber spürbar mehr Strom. Das ist die teuerste Lösung im Betrieb.
Heizkörper und Fußbodenheizung im Vergleich
| Heizkörper | Fußbodenheizung | |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur | meist 45 bis 55 Grad, teils mehr | 30 bis 40 Grad |
| Stromverbrauch der Wärmepumpe | höher | niedriger |
| Wärmegefühl | warme Luft, kühler Boden | gleichmäßige Wärme vom Boden |
| Staub | Konvektion wirbelt Staub auf | kaum Luftbewegung |
| Platz an der Wand | Heizkörper unter den Fenstern | Wände frei |
| Aufwand im Altbau | Tausch einzelner Heizkörper | Einfräsen in den Estrich oder Aufbau |
Heizkörper sind die günstigere Lösung, wenn der Test oben gut ausgeht und nur ein oder zwei Räume nachgebessert werden müssen. Die Fußbodenheizung lohnt sich vor allem, wenn ohnehin ein neuer Bodenbelag ansteht, wenn das Haus mit Heizkörpern 55 Grad nicht schafft oder wenn Sie die Wärmepumpe mit möglichst niedrigen Stromkosten betreiben wollen.
Die richtige Reihenfolge bei der Planung
Ein häufiger Fehler im Altbau ist eine Wärmepumpe, die vor der Planung gekauft wird. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Heizlastberechnung für jeden Raum nach DIN EN 12831. Sie zeigt, wie viel Wärme jeder Raum am kältesten Tag braucht.
- Heizflächen prüfen und auslegen. Hier fällt die Entscheidung, welche Heizkörper bleiben, welche getauscht werden und ob eine Fußbodenheizung dazukommt.
- Wärmepumpe wählen. Erst jetzt stehen Leistung und Vorlauftemperatur fest. Eine zu große Wärmepumpe taktet und verschleißt schneller.
- Hydraulischer Abgleich. Er sorgt dafür, dass jeder Raum genau so viel Heizwasser bekommt, wie er braucht. Bei der Wärmepumpe ist er die Voraussetzung für niedrige Temperaturen. Mehr dazu in unserem Beitrag zum hydraulischen Abgleich der Fußbodenheizung.
Wer eine Fußbodenheizung nachrüsten will, sollte das vor dem Kauf der Wärmepumpe tun oder zumindest einplanen. Sonst ist die Wärmepumpe auf 55 Grad ausgelegt, obwohl das Haus später mit 35 auskäme.
Fußbodenheizung nachrüsten und den Preis berechnen
Im Altbau muss für eine Fußbodenheizung nicht der ganze Boden raus. Beim Fräsverfahren schneiden wir Kanäle in den vorhandenen Estrich, legen die Heizrohre ein und verschließen die Nuten. Der Boden bleibt auf seiner Höhe, Türen müssen nicht gekürzt werden. Ein Einfamilienhaus mit 80 bis 100 m² ist in ein bis zwei Arbeitstagen fertig.
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 80 bis 120 m² liegt eine eingefräste Fußbodenheizung bei uns bei rund 60 bis 130 Euro pro Quadratmeter, inklusive Mehrwertsteuer und aller Arbeiten bis zum hydraulischen Abgleich. Wo Ihr Haus in dieser Spanne liegt, zeigt der Kostenrechner. Wie das Verfahren abläuft, lesen Sie auf der Seite Fußbodenheizung nachträglich fräsen.
Liegt bei Ihnen eine Holzbalkendecke oder ist der Estrich zu dünn, passt meist das Klettsystem.
Ihre Preisspanne in zwei Minuten
Fläche, Etagen, Untergrund: Der Rechner nutzt dieselben Preise wie unsere Angebote. Die Spanne sehen Sie sofort und bekommen sie zusätzlich per E-Mail.
Förderung für Wärmepumpe und Fußbodenheizung
Für den Tausch einer alten Öl- oder Gasheizung gegen eine Wärmepumpe gibt es über die KfW einen Zuschuss. Eine Fußbodenheizung, die im selben Zug eingebaut wird, kann dabei als Teil der Maßnahme mitgefördert werden. Wird die Fußbodenheizung allein nachgerüstet, läuft die Förderung über das BAFA als Heizungsoptimierung mit 15 Prozent, mit individuellem Sanierungsfahrplan 20 Prozent.
Die Bedingungen haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Prüfen Sie den aktuellen Stand bei KfW und BAFA, bevor Sie einen Auftrag unterschreiben. Der Antrag muss in beiden Fällen vor der Auftragsvergabe gestellt sein, und die Arbeiten muss ein Fachbetrieb ausführen. Was die Fußbodenheizung insgesamt kostet, fassen wir im Beitrag Fußbodenheizung Kosten zusammen.

Eric Wolfer
Heizungsbaumeister und Gründer der Wolfer Heizung und Sanitär GmbH, Ottweiler
Seit über 15 Jahren im Heizungsbau, seit einigen Jahren mit seinem Team auf das Nachrüsten von Fußbodenheizungen spezialisiert. Estrichstärke und Zustand prüft sein Team bei der Test-Bohrung persönlich vor Ort. Erst danach entsteht ein Angebot.





