Was ist eine Wandheizung und wie funktioniert sie?
Bei einer Wandheizung liegen die Heizschlangen im Putz oder hinter einer Verkleidung statt unter dem Fenster in einem Heizkörper. Durch sie fließt Heizwasser aus dem Wärmeerzeuger, also aus Kessel oder Wärmepumpe. Die Oberfläche strahlt die Wärme in den Raum ab, ganz ähnlich wie ein Kachelofen.
Der Unterschied zum herkömmlichen Heizkörper liegt in der Art der Wärme. Ein Heizkörper erwärmt vor allem die Luft. Die warme Luft steigt nach oben und sammelt sich unter der Decke. Eine Wandheizung gibt einen großen Teil als Strahlungswärme ab. Die trifft auf Menschen und Möbel und erwärmt sie direkt. Viele empfinden einen Raum deshalb schon bei ein bis zwei Grad weniger Lufttemperatur als angenehm.
Weil die beheizte Wandfläche groß ist, reicht warmes Wasser mit 30 bis 40 Grad im Vorlauf. In diesem Bereich arbeitet auch ein Wärmeerzeuger mit Strom am günstigsten.
Arten von Wandheizungen
Wandheizungen unterscheiden sich darin, wo die Wärme entsteht und wie das System montiert wird.
Nasssystem im Putz
Beim Nasssystem werden die Rohre mit Klemmschienen auf das rohe Mauerwerk geschraubt und dann eingeputzt. Kalkputz und Lehmputz sind üblich, die Putzschicht ist am Ende etwa 2 bis 3 Zentimeter stark. Dieses System ist das günstigste und speichert viel Wärme. Dafür kommt beim Einbau Feuchtigkeit in den Raum, und der Putz braucht Zeit zum Trocknen.
Trockenbausystem mit Platten
Beim Trockenbausystem sind die Leitungen bereits in Gipsfaser- oder Gipskartonplatten eingefräst. Die Platten werden auf eine Unterkonstruktion geschraubt, die Fugen gespachtelt. Das geht schnell und ohne Wasser, eignet sich deshalb für Dachschrägen und Vorsatzwände im Altbau.
Elektrische Wandheizung
Eine elektrische Wandheizung arbeitet mit Heizfolien unter dem Putz oder mit aufgehängten Infrarotpaneelen. Sie braucht keinen Anschluss an die Heizungsanlage, nur Strom. Wie bei der elektrischen Fußbodenheizung ist das im Einbau einfach und im Betrieb teuer, elektrische Wandheizungen taugen deshalb eher als Zusatz für einen einzelnen Raum.
Sockelleistenheizung
Eine Sonderform ist die Sockelleistenheizung: Ein flaches Heizregister ersetzt die Fußleiste und wärmt die Wand von unten an. Sie ist leichter nachzurüsten als ein Putzsystem, bringt aber weniger Leistung.
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Vorteile und Nachteile
Die Vorteile von Wandheizungen hängen fast alle an der großen, lauwarmen Heizfläche:
- Angenehme Strahlungswärme. Die Wärme wird gleichmäßig abgegeben, es gibt keine heiße Zone direkt am Heizkörper und kaum Staub, der mit der warmen Luft umgewälzt wird.
- Niedrige Vorlauftemperatur. Die Wandheizung passt gut zur Wärmepumpe und spart Energie gegenüber einem System, das 55 Grad braucht.
- Mehr Platz. Unter den Fenstern hängt nichts mehr, das Zimmer lässt sich frei möblieren.
- Kühlen im Sommer. Mit passendem Wärmeerzeuger fließt im Sommer kühles Wasser durch dieselben Heizschlangen.
Die Nachteile sind genauso handfest. Vor einer beheizten Wand darf kein großer Schrank stehen, sonst bleibt die Wärme dahinter hängen. Bohren geht nur, wenn die Lage der Leitungen bekannt ist. Das System reagiert wie jede Flächenheizung etwas träge. Und an einer ungedämmten Außenwand heizt ein Teil der Leistung nach draußen. Fachleute legen Wandheizungen dort deshalb nur mit Dämmung dahinter oder bevorzugt an Innenwände.
Was kostet eine Wandheizung?
Für ein wassergeführtes System nennt der Ratgeber von haus.de Kosten ab 75 Euro pro Quadratmeter, bei aufwendigen Systemen bis 200 Euro pro Quadratmeter. Diese Spanne deckt Material und Montage ab. Die Kosten, die im Altbau hinzukommen, stehen meist nicht im Preis pro Quadratmeter:
| Posten | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Putz abschlagen | alter Putz muss oft runter, damit die Wand eben und tragfähig ist |
| Neuer Putz oder Platten | 2 bis 3 cm Putz oder Trockenbau, danach spachteln und streichen |
| Anschluss | Verteiler, Leitungen zur Heizungsanlage, ein eigener Heizkreis |
| Dämmung | an Außenwänden, damit die Wärme im Raum bleibt |
Im Vergleich zu herkömmlichen Heizkörpern liegen die Kosten für den Einbau deutlich höher. Dafür lässt sich die Energie besser nutzen, weil die Wärme bei niedriger Temperatur abgegeben wird und trotzdem ausreicht, um das Zimmer zu erwärmen.
Bei den laufenden Heizkosten ist die wassergeführte Wandheizung im Vorteil, weil sie mit wenig Vorlauftemperatur auskommt. Eine elektrische Wandheizung kehrt das um: günstig im Einbau, teuer jeden Winter. Damit die Kosten vergleichbar sind, lohnt ein Blick auf den Preis pro beheiztem Quadratmeter statt pro Wandquadratmeter. Eine Wandheizung, die nur 8 Quadratmeter freie Wand im Raum findet, kostet pro beheiztem Zimmer oft mehr als eine Fußbodenheizung auf 20 Quadratmetern Boden. Die Kosten für die Fläche am Boden finden Sie im Beitrag, was eine Fußbodenheizung kostet.
Wie viel Wärme liefert eine Wandheizung?
Die Leistung hängt an zwei Dingen: wie viel Wandfläche frei ist und wie warm der Vorlauf ist. Wandheizungen können wärmer werden als eine Fußbodenheizung, weil niemand mit nackten Füßen auf ihnen steht. Trotzdem ist bei rund 40 Grad Oberfläche Schluss, sonst wird es direkt davor unangenehm und Möbel in der Nähe trocknen aus.
In einem gedämmten Haus reicht eine beheizte Außen- oder Innenwand pro Raum meist aus, um ihn zu erwärmen. In einem ungedämmten Altbau verliert das Zimmer so viel Energie, dass die freie Wandfläche oft nicht genügt. Dann ist eine Wandheizung nur als Ergänzung sinnvoll, etwa neben einer Fußbodenheizung oder einem großen Heizkörper. Ob das reicht, rechnet der Heizungsbauer mit der Heizlast des Raumes aus, bevor etwas installiert wird.
Im Betrieb unterscheiden sich Wandheizungen kaum von anderen Flächenheizungen. Sie werden über einen eigenen Heizkreis am Verteiler betrieben und über Raumthermostate geregelt. Wichtig ist ein hydraulischer Abgleich, damit die Wandkreise nicht mehr Wasser bekommen als die Kreise im Boden.
Wandheizung im Altbau nachrüsten
Im Altbau ist das Nachrüsten machbar, aber selten eine kleine Baustelle. Meist muss der alte Putz runter. Nach der Montage der Heizschlangen wird neu verputzt. In bewohnten Räumen heißt das Staub und einige Wochen Trocknungszeit, bevor gestrichen wird. Das Trockenbausystem spart die Trocknung, trägt aber einige Zentimeter auf.
Bevor ein Heizsystem an der Wand geplant wird, steht die Frage, welche Wände überhaupt infrage kommen. Fenster, Türen, Küchenzeile und Einbauschrank nehmen viel Wandfläche weg. Was übrig bleibt, muss reichen, um den Raum zu heizen. In einem gut gedämmten Haus geht das auf, in einem ungedämmten Altbau oft nicht.
Hilft eine Wandheizung gegen Schimmel?
Eine Wandheizung kann gegen Schimmel helfen. Eine warme Oberfläche nimmt kaum Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, an ihr schlägt sich kein Tauwasser nieder. In Ecken, die mit Heizkörpern immer kalt bleiben, ist das ein echter Vorteil. Vorher muss aber geklärt sein, woher die Feuchte kommt. Gegen aufsteigende Nässe im Mauerwerk hilft keine Heizung, und ein falsch aufgebauter Putz kann das Problem sogar verschieben.
Wandheizung oder Fußbodenheizung nachrüsten?
Beide Systeme arbeiten mit niedriger Temperatur und Strahlungswärme, und beide lassen sich mit wenig Vorlauftemperatur günstig betreiben. Im Altbau entscheidet, wie viel Heizfläche tatsächlich frei ist. Wandflächen sind durch Fenster und Möbel schnell verplant. Der Boden ist meist die größte freie Fläche im Raum.
Für den Boden spricht außerdem, dass beim nachträglichen Fräsen kein Putz und kein Estrich herausgerissen wird. Wir schneiden die Kanäle in den vorhandenen Estrich. Nach dem Einlegen der Heizrohre werden sie wieder verschlossen. Die Raumhöhe bleibt gleich, und die Wände bleiben frei für Schränke und Bilder. Wo der Estrich das nicht hergibt, gibt es das Klettsystem. Wie sich die Schichten unterscheiden, steht im Beitrag zum Aufbau einer Fußbodenheizung.
Die Wandheizung ist die bessere Wahl, wo der Boden nicht mitspielt: in der Dachschräge oder in einem Raum mit altem Dielenboden, den niemand anfassen will. Beide lassen sich auch kombinieren und am selben Verteiler betreiben.
Ob bei Ihnen der Boden infrage kommt, zeigt die kostenlose Test-Bohrung im Estrich. Danach wissen Sie, ob gefräst werden kann und was es kostet. Ob Ihre jetzigen Heizkörper bei niedriger Vorlauftemperatur überhaupt reichen würden, erklärt der Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau.

Eric Wolfer
Heizungsbaumeister und Gründer der Wolfer Heizung und Sanitär GmbH, Ottweiler
Seit über 15 Jahren im Heizungsbau, seit einigen Jahren mit seinem Team auf das Nachrüsten von Fußbodenheizungen spezialisiert. Estrichstärke und Zustand prüft sein Team bei der Test-Bohrung persönlich vor Ort. Erst danach entsteht ein Angebot.





