Kann man mit der Fußbodenheizung kühlen?
Ja, wenn zwei Dinge zusammenkommen: eine wasserführende Fußbodenheizung und eine Wärmepumpe mit Kühlfunktion. Die Funktionsweise ist einfach: An heißen Tagen strömt statt warmem Heizwasser kühles Wasser durch die Rohre im Estrich. Die Fläche nimmt Wärme aus dem Raum auf, und die Wärmepumpe führt diese Wärme nach draußen ab. Dieselben Rohre, mit denen Sie im Winter heizen, nutzen Sie so ein zweites Mal.
Was dabei herauskommt, ist keine Klimaanlage. Die Fußbodenkühlung senkt die Raumtemperatur um wenige Grad, leise und ohne Zugluft. Wer im Dachgeschoss bei 30 Grad schläft, merkt den Unterschied. Wer 20 Grad erwartet, wird enttäuscht.
Wie das Kühlen funktioniert: passive und aktive Kühlung
Passive Kühlung
Bei der passiven Kühlung bleibt der Verdichter der Wärmepumpe aus. Genutzt wird die Kühle, die schon da ist: Im Erdreich und im Grundwasser herrscht ab einer gewissen Tiefe eine fast gleichmäßige Temperatur von etwa 10 Grad. Über einen Wärmetauscher kühlt diese Quelle das Wasser für die Fußbodenheizung herunter, laut dein-heizungsbauer.de auf rund 16 Grad. Es läuft nur die Umwälzpumpe.
Das geht nur mit einer Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpe, also mit Erdsonde oder Brunnen. Die Kühlleistung ist geringer, dafür kostet sie kaum Strom.
Aktive Kühlung
Bei der aktiven Kühlung arbeitet die Wärmepumpe rückwärts. Ein Vier-Wege-Ventil kehrt den Kältekreis um, und der Verdichter ist in Betrieb. Im Prinzip arbeitet die Anlage dann wie ein Kühlschrank für das ganze Haus. Das funktioniert auch mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, die im Altbau am häufigsten eingebaut wird.
Die Leistung der aktiven Kühlung ist höher, und sie reagiert schneller. Dafür benötigt sie deutlich mehr Strom als die passive Kühlung. Bei der aktiven Kühlung lässt sich die Temperatur im Vorlauf außerdem genauer regeln.
Voraussetzungen für die Kühlfunktion
- Wasserführende Fußbodenheizung. Elektrische Heizmatten oder Heizdrähte können nicht kühlen.
- Wärmepumpe, die kühlen kann. Viele Luft-Wasser-Wärmepumpen haben einen umkehrbaren Kältekreis ab Werk. Eine Gastherme oder Fernwärme liefert kein kaltes Wasser.
- Taupunktüberwachung. Ein Sensor, der Kondenswasser auf dem Boden verhindert. Sie ist Pflicht und wird im nächsten Abschnitt erklärt.
- Passende Regelung. Raumthermostate müssen den Kühlbetrieb kennen, sonst öffnen sie bei Hitze die Ventile in den falschen Räumen.
Fehlt diese Funktion an einer vorhandenen Wärmepumpe, lässt sie sich bei manchen Geräten nachrüsten. Wolf nennt dafür Zusatzkosten von etwa 1.000 bis 3.000 Euro für die nötigen Ventile und den Taupunktsensor samt Einbau. Bei anderen Geräten geht es gar nicht. Fragen Sie vor dem Kauf einer neuen Wärmepumpe nach der Kühlfunktion, wenn Sie das Thema interessiert.
Wie viel Grad bringt die Fußbodenkühlung?
Hersteller und Ratgeber nennen übereinstimmend 2 bis 4 Grad weniger Raumtemperatur. In Foren berichten manche Nutzer von deutlich weniger, andere sind zufrieden. Wie viel es bei Ihnen ist, hängt stark an der Dämmung. In einem gut gedämmten Haus mit Verschattung wirkt die Kühlung spürbar, in einem Altbau mit großen, unverschatteten Südfenstern kommt sie gegen die Sonne kaum an.
Der Grund für die Grenze liegt in der Physik. Eine Fußbodenheizung bringt im Winter rund 100 Watt pro Quadratmeter Heizleistung. Beim Kühlen sind es laut heizsparer.de nur 20 bis 40 Watt pro Quadratmeter. Kalte Luft sinkt, deshalb kühlt ein kalter Boden vor allem die Luft direkt über sich. Deckenkühlungen arbeiten hier besser, sind im Bestand aber selten.
Dazu kommt die Trägheit. Der Estrich speichert Wärme, und das gilt auch für die Hitze, die tagsüber durch die Fenster in die Räume kommt. Es dauert Stunden, bis sich die Raumtemperatur spürbar ändert. Wer erst bei 30 Grad im Wohnzimmer einschaltet, ist zu spät. Besser läuft die Kühlung über die heißen Wochen durchgehend.
Taupunkt und Kondenswasser: die wichtigste Grenze
Warme Sommerluft trägt viel Feuchtigkeit. Trifft sie auf eine Fläche, die kälter ist als ihr Taupunkt, schlägt sich Wasser nieder, wie an einer kalten Flasche aus dem Kühlschrank. Auf dem Boden bedeutet das nasse Fliesen. Im schlimmsten Fall quillt Parkett auf, und es bildet sich Schimmel.
Deshalb ist eine Taupunktüberwachung Pflicht. Ein Sensor misst Temperatur und Luftfeuchte im Raum und hält das Wasser in den Rohren immer etwas wärmer als den Taupunkt. Typisch sind im Kühlbetrieb 16 bis 20 Grad Vorlauftemperatur. Auch die Oberfläche des Bodens sollte nach heizsparer.de nicht unter etwa 19 bis 20 Grad sinken, sonst wird es an den Füßen unangenehm.
Eine Fußbodenkühlung entzieht der Raumluft keine Feuchtigkeit. An schwülen Tagen bleibt die Luft also feucht, auch wenn sie etwas kühler wird. Eine Klimaanlage entfeuchtet, das ist einer ihrer Vorteile.
Kosten im Sommer: Fußbodenkühlung und Klimaanlage im Vergleich
| Art der Kühlung | Stromkosten pro Sommer (Wolf) | Stromkosten pro Sommer (alpha innotec) |
|---|---|---|
| Passive Kühlung | 50 bis 100 € | 5 bis 30 € |
| Aktive Kühlung | 300 bis 600 € | 45 bis 300 € |
| Split-Klimaanlage | 400 bis 900 € | nicht angegeben |
Die Spannen der beiden Hersteller liegen weit auseinander, weil sie mit unterschiedlichen Häusern und Strompreisen rechnen. Wolf legt für die Klimaanlage 30 Hitzetage zugrunde. Die Richtung ist bei beiden gleich: Passiv ist fast kostenlos, aktiv kostet spürbar Strom. Wer eine Photovoltaikanlage hat, kühlt genau dann, wenn die Sonne den meisten Strom liefert.
Vorteile und Nachteile der Fußbodenkühlung
Vorteile
- kein Lärm im Raum und keine Zugluft
- kein zusätzliches Gerät an der Wand oder im Fenster
- geringe Betriebskosten, besonders bei passiver Kühlung
- dieselben Rohre heizen im Winter und kühlen im Sommer
Nachteile
- nur 2 bis 4 Grad Abkühlung, kein gezieltes Herunterkühlen
- träge, braucht Stunden bis zur spürbaren Wirkung
- keine Entfeuchtung der Raumluft
- nur mit einer Wärmepumpe möglich, die kühlen kann
Für viele Hausbesitzer ist die Kühlung ein Zusatznutzen, kein Grund für eine Fußbodenheizung. Wer ohnehin auf eine Wärmepumpe umsteigt und eine Fußbodenheizung nachrüstet, bekommt sie aber fast nebenbei.
Kühlen im Altbau: worauf es ankommt
In Gebäuden mit wenig Dämmung ist die Kühlung am schwächsten, gerade dort, wo es unter dem Dach im Juli am heißesten wird. Bevor Sie Geld in die Kühlfunktion stecken, lohnt deshalb ein Blick auf die einfachen Hebel. Außenliegende Rollläden oder Markisen halten die Sonne ab, bevor sie die Räume aufheizt. Nachts lüften bringt kühle Luft ins Haus, solange die Außentemperaturen fallen.
Danach wirkt die Fußbodenkühlung deutlich besser. In der passiven Kühlung reicht sie in einem verschatteten Altbau, um die hohen Temperaturen der Mittagsstunden abzufedern. Wer mehr will, braucht die aktive Variante oder ergänzend ein Klimagerät für einzelne Räume wie das Schlafzimmer.
Wichtig ist auch der Bodenbelag. Fliesen leiten die Kühle genauso gut wie die Wärme, dicker Teppich bremst sie. Bei Parkett sollten Sie vorher prüfen, ob der Hersteller den Belag auch für den Kühlbetrieb freigibt.
Fußbodenheizung nachrüsten und im Sommer kühlen: Preis berechnen
Im Altbau scheitert die Kühlung oft schon daran, dass es keine Fußbodenheizung gibt, nur Heizkörper. Heizkörper sind für das Kühlen ungeeignet, ihre Fläche ist dafür viel zu klein.
Wir fräsen die Heizrohre direkt in Ihren vorhandenen Estrich. Der Boden behält seine Höhe, und ein Haus mit 80 bis 100 m² ist in ein bis zwei Arbeitstagen fertig. Die eingefräste Fußbodenheizung ist ein wasserführendes System wie jedes andere. Ob sie im Sommer kühlt, entscheiden die Wärmepumpe und die Regelung, nicht der Boden. Wie die Wärmepumpe im Bestand zur Fußbodenheizung passt, lesen Sie im Beitrag Wärmepumpe im Altbau. Was es bei Ihnen kostet, zeigt der Rechner. Alles zum Verfahren finden Sie auf der Seite Fußbodenheizung nachträglich fräsen, welche Schichten im Boden stecken, im Beitrag zum Aufbau der Fußbodenheizung.
Ihre Preisspanne in zwei Minuten
Fläche, Etagen, Untergrund: Der Rechner nutzt dieselben Preise wie unsere Angebote. Die Spanne sehen Sie sofort und bekommen sie zusätzlich per E-Mail.

Eric Wolfer
Heizungsbaumeister und Gründer der Wolfer Heizung und Sanitär GmbH, Ottweiler
Seit über 15 Jahren im Heizungsbau, seit einigen Jahren mit seinem Team auf das Nachrüsten von Fußbodenheizungen spezialisiert. Estrichstärke und Zustand prüft sein Team bei der Test-Bohrung persönlich vor Ort. Erst danach entsteht ein Angebot.





